Alte Schmiede und Kranich-Museum in Hessenburg am Saaler Bodden

Sonntags-Brunch in der Alten Schmiede in Hessenburg

Sonntags-Brunch in der Alten Schmiede in Hessenburg

„ich bin ein kranich“ – dieser auffällige Schriftzug prangt über dem Eingang des im Umbau befindlichen Gutshauses Hessenburg und macht neugierig. Ausflügler im Hinterland des Saaler Boddens sollten einen Schlenk nach Hessenburg, ca. 15 Kilometer nordöstlich von Ribnitz-Damgarten nicht versäumen.

Seit 1998 ist Bettina Klein dort dabei, dem über lange Jahre verlotterten und durch überdimensionale Wirtschaftsgebäude aus DDR-Zeit entstellten Gutshof von Hessenburg zu neuem Charme zu verhelfen. Ihr Enthusiasmus wurde stark auf die Probe gestellt, als sie bei Beginn der Bauarbeiten feststellen musste, wie sehr ihr Backstein-Gutshaus wirklich vom Zahn der Zeit angegriffen war. Das Haus war schwer vom Schwamm befallen und erforderte eine Totalsanierung. Die ist noch in Gange, aber bereits in diesem Bauzustand macht Frau Klein das Haus für Besucher zugänglich.

Alte Schmiede Hessenburg - Die Frühlingssonne genießen

Die Frühlingssonne genießen

Als promovierte Japanologin hat sie 20 Jahre in Japan gelebt und gearbeitet. Da kam ihr in Hessenburg  irgendwann die Idee, die untere Etage des Gutshauses für eine kulturgeschichtliche Ausstellung über Kraniche und die künstlerische Umsetzung der Beziehung Kranich-Mensch zu nutzen. In der Hessenburger Umgebung sind Kraniche sehr präsent, denn hier liegen ihre großen Rastplätze. Gerade jetzt kann man sie dort sehr zahlreich auf den Äckern beim Rasten auf ihren Wanderrouten beobachten. Kraniche spielen als „Vögel des Glücks“ eine wichtige Rolle in der fernöstlichen sowie in der norddeutschen Mythologie. Anfang April wird die Kranichsaison im Hessenburger Gutshaus mit verschiedenen Veranstaltungen eröffnet und im September findet eine Kranichwoche statt. Der Rohbau als Ausstellungsort gibt gleichzeitig einen Einblick in die Geschichte der Gutsanlage und in die aufwändige Sanierung des Ensembles, eine Mammutaufgabe.

Zum Gutshof gehört auch die ehemalige Dorfschmiede, die Frau Klein 2007 als Café und Restaurant eröffnete. Die Alte Schmiede ist eine stilvoll gemütliche Wellness-Oase im Hinterland des Saaler Boddens, gegenüber dem Darß. Zwischen Biedermeiermobiliar können sich Genießer vor oder nach dem Besuch des Kranich-Museums bei ländlich-feiner Küche und hausgemachtem Kuchen stärken. An diesem sonnigen Frühlings-Sonntagvormittag sind die Tische drinnen und draußen gut besetzt. Beim Sonntagsbrunch genießen die Gäste einen der ersten warmen Frühlingstage. Der Blick vom Café geht über Wiesen, auf denen ein paar Pferde weiden und hinüber zum Park. Kinder tollen herum, es herrscht eine wunderbar entspannte Atmosphäre.

Gutshaus vom Park aus gesehen

Gutshaus vom Park aus gesehen

Dafür sorgt die aus Hessen stammende Hausherrin auch ganz persönlich. Während sie zwischendurch immer wieder herumwirbelt und sich um die Gäste kümmert, erzählt sie mir, wie sie 1998 zum ersten Mal in das Dorf kam, in dem das Gutshaus kurz vor der Versteigerung stand. Es war Winter und hatte geschneit, die Sonne schien, der Himmel strahlte blau, Schneehäubchen bedeckten alles Hässliche. Die untere Etage des Gutshauses war zugemauert, der Zutritt nicht möglich. Frau Klein verliebte sich spontan in das verlockend wirkende Anwesen. Kurze Zeit später war sie Besitzerin eines baulichen Problemfalls wie sie leidvoll erfahren musste. Der Schnee war weg und „Die Gespenstervilla war nun mein Eigentum. Dort lag massenhaft Dreck und Müll, ein Unrat ohne Gleichen, es war einfach unheimlich und eklig“, erinnert sich Bettina Klein an die aufreibende Anfangszeit.

An den Wänden der Alten Schmiede hängen typische Schmiede-Werkzeuge und -erzeugnisse wie Blasebalg, alte Tür- und Fensterbeschläge, landwirtschaftliche Geräte und Hufeisen. Prunkstücke sind zwei Ambosse neben dem Schmiedefeuer, das in der kalten Jahreszeit auch entzündet wird. Den einen Amboss hat Frau Klein erworben, den zweiten brachte ihr eines Tages ein schweigsamer Gast vorbei, der bei einem Besuch in der Schmiede nach einer Weile in wortkarg-mecklenburgischer Art heraus presste „So einen hab ich auch“. Wie sich erwies war er selbst früher Schmied gewesen und freute sich, sein gutes Stück weiter geben zu können, auch wenn er noch etwas von “der ist viel zu gut für hier” brummte.

Schmiedefeuer und Werkzeuge

Schmiedefeuer und Werkzeuge

Der von einer doppelten Baumreihe begrenzte schöne Gutspark ist schon teilweise wieder hergerichtet. Frau Klein erreichte mit Unterstützung der eingesessenen Dorfbewohner sogar die Verlegung der Kreisstraße, die bis letztes Jahr direkt am Gutshaus vorbei führte und den Park zerschnitt. Nach und nach kann die Gutsanlage nun wieder zu einem harmonischen Gesamtkomplex werden, auch wenn noch viel zu tun ist. Ein ganz ungewöhnliches weiteres Highlight in Hessenburg ist ein frühmittelalterlicher Burghügel, der auf einer künstlichen Insel in einem Wassergraben am Rande des Gutshofs liegt. Auch dieser wird in die Gestaltung einbezogen.
Und irgendwann sollen dann Feriengäste in der ehemaligen „Gespenstervilla“ wohnen können.

Weitere Informationen:
www.schmiede-hessenburg.de

Anfahrt

 

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